Pressemitteilung

Schließung der TE Fertigung Speyer: Ist die Beschäftigungssicherung ein Etikettenschwindel?

08.05.2026 | Trotz gültiger Vereinbarungen wird die TE Fertigung in Speyer geschlossen. Betriebsrat und IG Metall kritisieren einen massiven Vertrauensbruch und eine unternehmerische Entscheidung auf Kosten der Beschäftigten. Der Kampf um eine sichere Zukunft und eine industrielle Perspektive am Standort geht weiter.

Mit der letzten Verhandlung und dem Abschluss eines Interessenausgleiches und Sozialplan sowie einer Gesamtbetriebsvereinbarung Beschäftigungssicherung erreicht der Konflikt um die Schließung der TE‑Fertigung am Standort Speyer einen bitteren Höhepunkt.

Für Betriebsrat, Belegschaft und IG Metall Ludwigshafen‑Frankenthal ist diese Vereinbarung kein Zukunftsversprechen, sondern ein Affront. Der Name Beschäftigungssicherung verhöhnt die Realität von rund 630 Beschäftigten, deren Arbeitsplätze bis Ende 2028 ersatzlos wegfallen sollen. Gleichzeitig macht diese Entscheidung deutlich: Selbst gültige und „gütige“ Verträge zwischen den Betriebsparteien haben offenbar keinen Wert mehr.

Bereits im Vorfeld hatte die Ankündigung der vollständigen Schließung der Fertigung in Speyer für massive Verunsicherung und Empörung gesorgt. Im Townhall-Meeting am 6. Mai 2026 wurde eine verbreitete Ernüchterung innerhalb der Belegschaft sichtbar. Die Reaktionen reichten von Enttäuschung bis hin zu deutlicher Verärgerung über die getroffene Entscheidung.

Besonders empört reagierte die Belegschaft darauf, dass der IG Metall offenbar der Zutritt zum Betrieb und zur Sitzung des Betriebsrates vorerst verwehrt wurde. Dieses Vorgehen wird als bewusster Versuch gewertet, die Interessenvertretung und die Gewerkschaft auszugrenzen – ein Vorgang, der demokratische Mitbestimmungsrechte mit Füßen tritt. Das Vertrauen ist massiv beschädigt.

Betriebsrat und IG Metall kritisieren insbesondere, dass die Entscheidung zur Schließung des Standorts getroffen wurde, obwohl zwischen den Betriebsparteien ein noch gültiger Fünfjahresvertrag besteht, der nach nicht einmal zwei Jahren faktisch aufgekündigt werden soll. Damit erweckt das Unternehmen den Eindruck, dass bestehende Vereinbarungen keine verbindliche Bedeutung mehr haben. Anstatt vertragliche Zusagen einzuhalten, werden diese de facto ignoriert. Zudem wurden weder mildernde Maßnahmen noch tragfähige Alternativkonzepte oder strategische Weiterentwicklungen des Standorts zu irgendeinem Zeitpunkt ernsthaft geprüft.

Dabei ist klar: Diese Schließung ist keine wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern eine strategische Entscheidung zulasten der Beschäftigten – allein zur Profitsteigerung. Die Leistungsfähigkeit, Qualifikation und Einsatzbereitschaft der Belegschaft stehen selbst aus Sicht der Geschäftsführung nicht infrage. Umso härter trifft die Menschen im Werk die Konsequenz dieser unternehmerischen Entscheidung.

Betriebsrat und IG Metall Ludwigshafen‑Frankenthal stehen weiterhin in engem Austausch und arbeiten intensiv an Zukunftsperspektiven für den Standort Speyer. Ziel bleibt eine verbindliche Zukunftsvereinbarung, die Beschäftigung sichert und dem Werk eine industrielle Perspektive eröffnet. Das gemeinsame Leitmotiv bleibt: „Zukunft durch Widerstand!“

Diese Auseinandersetzung zeigt überdeutlich, wie schnell Zusagen, Verträge und vermeintliche Sicherheiten ihre Gültigkeit verlieren, wenn Profite über Menschen gestellt werden. Nur organisierte Beschäftigte, die geschlossen auftreten und gemeinsam mit ihrer Gewerkschaft handeln, können in solchen Situationen das maximal Mögliche erkämpfen. Wer seine eigene Perspektive sichern will, muss auf Solidarität, Zusammenhalt und eine starke Gewerkschaft setzen. Genau dafür steht die IG Metall – heute und in Zukunft.

Von: mf

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